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Kolonne fahren (Kolonnekjøring ) im Winter

Auf hochgelegenen Bergübergängen in Norwegen, Schweden und im finnischen Teil von Lappland führt das Straßenamt „Kolonnekjøring“ (das Fahren in der Kolonne) im Winter bei schlechten Wetter durch. Die Ursache ist nicht der Schneefall, sondern der starke Wind. Dieser treibt lockeren Schnee auf die Fahrbahn und macht diese in Form von hohen und langen Schneeverwehungen in kürzester Zeit unpassierbar. Zahlreiche gesperrte Gebirgsstrecken oder Straßen über Hochebenen sind kurzfristig für die Durchfahrt einer geführten Kolonne freigegeben.

Die Vorgehensweise beim Fahren in der Kolonne.

Das anführende Räumfahrzeug für „Kolonnekjøring“ wartet vor dem Schlagbaum auf den Abschluss der Kolonnenbildung.
Alle Fahrzeuge warten im Tal vor einer Schrankenanlage und/oder Lichtzeichenanlage (rote Ampel) und reihen sich zu einer Fahrzeugschlange. Die Wartezeit kann mehrere Stunden betragen.
Zu festgelegten Zeiten oder wenn genügend Fahrzeuge an der Schranke warten, öffnet das Straßenamt den Bergübergang für die Durchfahrt der Kolonne. Durchfahrtszeiten stehen an der Schranke. Infos gibt es telefonisch oder im Internet in Norwegen unter der Telefonnummer 175/ vegvesen.no beim Statens Vegvesen.
Als erstes Fahrzeug fährt ein Räumfahrzeug mit Pflug oder Fräse ausgerüstet, um den Schnee von der Fahrbahn zu befördern. Dicht dahinter folgen die Fahrzeuge in der Kolonne mit notwendigen Sicherheitsabstand zum Vorderfahrzeug. Jedes Fahrzeug schaltet Licht und Warnblinker ein. Der Fahrer des vorausfahrenden Winterdienstfahrzeuges gibt die Geschwindigkeit für die Kolonne vor. Das letzte Fahrzeug der Straßenverwaltung achtet darauf, dass keiner zurückbleibt. Bei Problemen, wird der Fahrer des Räumfahrzeuges informiert. Die Kolonne wartet bis zur Lösung des Problems. Auf der anderen Seite des Bergübergangs angekommen, löst sich die Kolonne auf und das Räumfahrzeug fährt mit einer neuen Kolonne zurück.
Beim „Kolonnekjøring“ gibt es keinen Gegenverkehr, um die gesamte Fahrbahnbreite in einer Richtung zu nutzen.
Meistens ist die Sicht zum vorausfahrenden nächsten Fahrzeug aufgrund des vom Räumfahrzeug, vom Wind und von den übrigen vorausfahrenden Fahrzeugen aufgewirbeltem Schnees schlecht. Selbst die Rücklichter des Vorderfahrzeugs sind bei Tag schwer zu erkennen – es ist erhöhte Aufmerksamkeit notwendig.
Den Anweisungen des Winterdienstes ist Folge zu leisten. Die Fahrer der Räumfahrzeuge schließen Fahrzeuge von der Fahrt in der Kolonne aus, wenn die Insassen nicht ausreichend warme Bekleidung an haben oder die Reifen als nicht tauglich erscheinen.
Verstöße wie mangelnde Winterausrüstung, das Fahren mit Sommerreifen oder abgefahrene Winterreifen unter 3 mm Profilstärke (ab 3,5 Tonnen 5 mm Profilstärke), ahndet die norwegische Polizei mit erheblichen Geldstrafen. Auch das Fahren ohne Schneeketten, obwohl die Fahrbahnverhältnisse dies erfordern. Sie legt Fahrzeuge still, bis sie die notwendige Winterausrüstung aufweisen. Dies gilt vor allem für LKW. Mangelnde Winterausrüstung bei solchen Fahrzeugen führt zu einer erheblichen Verkehrsgefährdung für andere Verkehrsteilnehmer. Zur Verbesserung der Traktion und der Fahrstabilität bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen sind Sattelzugmaschinen in Norwegen und Schweden in der Regel dreiachsig ausgeführt. Die zweiachsigen Sattelzugmaschinen aus anderen europäischen Ländern nimmt die Polizei in Norwegen und Schweden ins Visier. Dabei geht es um die Einhaltung der Vorschriften zur Winterausrüstung.

Tipps von Norwegens Automobilverein (NAF) und den norwegischen Straßenbehörden, um erfolgreich beim „Kolonnekjøring“ gut vorbereitet zu sein.

1. Sei geduldig und bewahre Ruhe
– In der Kolonne zu fahren erfordert große Aufmerksamkeit. Für den Fahrer ist das Fahren stressend, weil der Sturm das Fahrzeug stark rüttelt und eine unübersichtliche und schlechte Sicht herrscht.
2. Bei einem Halt in der Kolonne darf keiner das Fahrzeug verlassen. Lebensgefahr droht. Räumfahrzeuge sind unterwegs oder verirren im Schneesturm ist möglich.
3. Benutze die Nebelleuchten.
– Nebelleuchten geben ein besseres Licht bei schlechter Sicht für den Fahrer. Die Fahrzeuge sind besser sichtbar. Nebelleuchten nicht in Kombination mit dem üblichen Fahrlicht nutzen.
4. Benutze die Warnblinkanlage, damit die Fahrzeuge gut zu sehen sind.
5. Benutze das Gebläse für die Frontscheiben mit kalter Luft. Das verhindert das Vereisen durch Schneeverwehungen.
6. Halte Blickkontakt mit dem Rücklicht von dem vorderen Fahrzeug.
Das hält die Kolonne zusammen. Falls ein Fahrer das voran fahrende Fahrzeug aus dem Blick verliert, ist die Gefahr gegeben sich festzufahren.
7. Fahr nicht aus der Kolonne und versuche zu wenden.
In einer Kolonne zu fahren, ist wie im Stau zu fahren, nur ist schlechtes Wetter und keine Sicht. Pflicht ist, in der Kolonne auf seinem Platz zu bleiben, sonst ist die Gefahr gegeben sich im Schneegestöber festzufahren.
8. Taschenlampe, Abschleppseil und Schneespaten sind leicht zugänglich im Inneren des Fahrzeugs aufzubewahren. Der Kofferraum des Fahrzeugs ist möglicherweise nicht zugänglich.
9. Denke daran, warme Getränke, Essen und warme Decken mitzuführen.
– Es kann einige Zeit in der Kolonne dauern von A nach B zu kommen. Falls Kinder dabei sind ist es wichtig für Unterhaltung zu sorgen.
10. Denke an einen vollen Tank oder voll geladene Batterien bei einem Elektrofahrzeug.
Quellen: NRK, Wikipedia,
Beitragsfoto Flickr, Ingolf

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