Veröffentlicht in Nordland, Norwegische Landschaftsrouten

Landschaftsrouten – Helgelandküste 6/18, 433 km

Die Norwegischen Landschaftsrouten (Nasjonale turistveger) sind 18 überregionale Hauptverkehrsstraßen, die durch besonders reizvolle Landschaftsregionen führen. Sie haben in der Regel Haltestellen und Aussichtspunkte, damit Touristen an Sehenswürdigkeiten und schönen Abschnitten stoppen können. Die Helgelandküste oder Helgelandskysten in Nordland ist mit 433 Kilometern die längste dieser Landschaftsrouten. Wegen ihrer Länge sollte der Besucher ausreichend Zeit einplanen. Sie verläuft entlang der Küste, und der Charakter der Landschaft ändert sich im Laufe der Fahrt: Es gibt lange Gebirgsketten, Fjorde und Schärengärten.
Die Norwegische Landschaftsroute Helgelandskysten (Straße RV 17) verläuft zwischen Holm und Godøystraumen mit einem Abstecher zum Torghatten (Straße 76 und 54). Zur E6 gibt es mehrere Verbindungen. Dadurch ist es einfach, zwischen Teilabschnitten der Landschaftsroute und der E6 zu wechseln. Auf dieser Strecke gibt es mehrere Fährüberfahrten. Zu den Fährverbindungen gehören: Vennesund – Holm, Horn – Anddalsvåg, Tjøtta – Forvik, Levang – Nesna, Jektvik – Kilboghamn sowie Forøy – Ågskardet. Auf der Strecke Jektvik – Kilboghamn überquert der Besucher den Polarkreis auf 66 Grad nördlicher Breite. Viele der größten Inseln sind über Expressboote oder Autofähren mit dem Festland verbunden, sodass verschiedene Abstecher möglich sind. Der Svartistunnel ist für Radfahrer gesperrt.

Highlights entlang der Helgelandküste

Auf der Route fährt der Besucher durch viele schöne Gegenden und entlang eindrucksvoller Küstenabschnitte. Einige der schönsten Stopps und Sehenswürdigkeiten sind:

Godøystraumen

Am Ende eines kleinen Seitenfjord gibt es diese kleine Verengung durch Felsen. Das Wasser muss durch und über sie und bei Ebbe und Flut hin- und herfließen. Dadurch bilden sich mächtige Strudel. Er ist einer der vielen Gezeitenströme entlang der Landschaftsroute Helgelandskysten. Vom Rastplatz an der Meerenge des Godøystraumen erlebt der Besucher den Gezeitenstrom mit Blick auf das dahinter liegende Meer aus nächster Nähe.

 

Der Gezeitenstrom „Godøystraumen“ Copyright: ©Foto: Jarle Wæhler / Statens vegvesen

Storvika

Die Steingewölbebrücke in Storvika verbindet den Rastplatz mit dem direkt vorgelagerten, kilometerlangen Sandstrand. Der Rastplatz befindet sich in idyllischer Lage zwischen dem Meer und den Bergen. Für Wohnmobile gibt es hier eine Ver- und Entsorgungsstation.

 

„Steingewölbebrücke in Storvika“, Copyright: ©Foto: Tonje Tjernet / Statens vegvesen

 

Ørnes und Gildeskål

Ørnes ist zentrale Anlaufstelle in der Kommune Meløy. Schnellfähren und Fähren fahren von hier zu den Inseln. Morgens laufen die nach Norden und Süden fahrenden Schiffe der Hurtigruten den Ort an. Lohnender Abstecher: Nach Inndyr auf der Straße RV 838 und zur alten Kirche von Gildeskål (von 1130), in der im Sommer Führungen stattfinden. Vor Einführung des Christentums diente der Platz, auf dem die Kirche heute steht, vermutlich als heidnische Kultstätte. Elias Blix, der norwegische Dichter, 1836 auf der Insel Sandhorøya geboren, bekannt vor allem durch die von ihm gedichtete norwegische Nationalhymne und das Lied „Å, eg veit meg eit land langt der oppe mot nord“.

 

Ørnes im Herbst. Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

Küstenlandschaft in Gildeskål

 

Glomfjord

Die Stadt ist nicht nur für Nordnorwegen, sondern für das ganze Land ein wichtiger Industriestandort. Hergestellt werden vor allem Mineraldünger und Kalksalpeter. In den letzten Jahren erlebte das Industriegewerbe in Glomfjord durch die Herstellung von Bauteilen für die Solarindustrie neue Höhen.

 

Glomfjord. Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

Braset

Vom Rastplatz Braset hat der Besucher einen wunderschönen Blick auf den Engenbreen, einen mächtigen Gletscherarm des Svartisen. Der Engenbreen ist der tiefstgelegene Gletscher Europas, dessen tiefster Punkt sich bei 100 m ü.d.M. befindet. Der Gletscher benannt nach der alten Bezeichnung „Svartis“ („Schwarzeis“), die den tiefen Blauton im Eis beschreibt.
Der Svartisen, Norwegens zweitgrößter Gletscher hat eine Fläche von 370 Quadratkilometern. Es ist der Gletscher auf dem europäischen Festland mit der niedrigsten Lage von 20 Meter über dem Meeresspiegel. Gletschertouren sind ein Erlebniss.

 

Blick zum Nationalpark Svartisen vom Rastplatz Braset. Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

Rundfahrt um den Gletscher Svartisen

Bei der nach Norden führenden Straße zwischen den Orten Stokkvågen und Storvika (in der Kommune Gildeskål) handelt es sich um die Strecke „Helgelandskysten Nord“. Sie besteht aus miteinander in neuester Zeit verbundenen mehreren älteren, regionalen Strecken. Von Kilboghamn nach Jektvik verkehrt eine Fähre. Die deutlich erkennbaren Gebirge Hestmannen und Rødøyløva sehen aus, als ob sie die Einfahrt vom Meer bewachen. Hier überquert der Besucher den Polarkreis.
Infos zum Svartisen: http://www.nordnorge.com/DE-svalbard/?News=382

 

Svartisen. Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

Die Gletscherzunge Engenbreen

Die Gletscherzunge des Engenbreen kalbte bis Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts noch in den Holandsfjorden. Für die großen Kreuzfahrtschiffe war es ein beliebter Abstecher. Doch die Gletscherzunge zog sich immer weiter landeinwärts zurück, eine Tendenz von vielen Gletschern. Nächstgelegene Fährverbindung: Von Ågskardet nach Forøy. Der Gletscher Svartisen im Holandsfjord zieht seinen weißen Mantel hinunter bis 20 m ü.d.M. Der 1454 m hohe Berg Helgelandsbukken hält Wache über sein Reich! Entlang des Weges erlebt der Besucher eine eindrucksvolle Aussicht auf die Gletscherzunge. Hier lohnt es sich, das Auto stehen zu lassen, und mit dem regelmäßig verkehrenden Boot von Holand aus den Gletscher aus der Nähe zu erkunden.
Infos zum Engenbreen: http://www.nordnorge.com/de/Kustenkultur/?News=383

 

Dreimaster liegt vor dem Gletscherarm Engerbreen. Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

Jektvik

Das Dorf Jektvik befindet sich an der Südseite des Fjords Værangen in der Gemeinde Rødøy. Von hier gelangt der Besucher mit der Fähre nach Kilboghamn. Der Warteraum am Fähranleger hat eine transparente Glasfaserverkleidung, die in der Polarnacht wie eine große chinesische Laterne leuchtet. Auf der Strecke Jektvik – Kilboghamn überquert der Besucher den Polarkreis auf 66 Grad nördlicher Breite.

 

Warteraum mit Glasfaserverkleidung, Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

Hellåga

Der Rastplatz Hellåga liegt am Fjord Sjona. Treppenstufen, den steilen Klippen perfekt angepasst, führen hinunter zum Wasser. Der Platz eignet sich zum Angeln und bietet eine fantastische Aussicht auf die Fjordlandschaft.

 

Rastplatz Hellåga am Fjord Sjona, Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

Treppenstufen, den steilen Klippen perfekt angepasst, Copyright: ©Foto: Jarle Wæhler / Statens vegvesen

Sandnessjøen

Sandnessjøen liegt malerisch eingebettet zwischen Bergen und Inseln. Die Gipfel der „Sieben Schwestern“ sind die größten Sehenswürdigkeiten in Sandessjøen. Beim Einlaufen in den Hafen der Kleinstadt besticht ein herrlicher Ausblick auf diese wunderschönen Berge. Der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Vega-Archipel ist ebenfalls in der Nähe. Im Westen ragt der Dønnamannen, ein 858 m hoher Berg, über den Inseln empor.
Die Straße RV 17 führte über die Helgelandsbrücke, die den Leirfjorden zwischen dem Festland und der Insel Alsten in überspannt. Sie verbindet die Stadt Sandnessjøen mit dem Festland. Die Brücke ist 1065 Meter lang und die längste lichte Weite beträgt 425 Meter; die Durchfahrtshöhe beträgt 45 Meter. Beeindruckend, wie leicht und licht diese elegante Brücke im modernen Design über dem Fjord liegt.
Heute zählt die Gemeinde 7.500 Einwohner. Die Stadt steht auf vielfältigen wirtschaftlichen Beinen: Fischerei, Landwirtschaft, Industrie, Handel und Verwaltung. Der Fährbetrieb schafft Aktivität in dem Ort.
Im Herzen von Sandnessjøen befindet sich ein Geschäft der Glaskünstlerin Turid Grov. In diesem reizvollen Laden wird wunderschöne, handgefertigte Glaskunst verkauft. Die Künstlerin schöpft ihre Inspiration aus der überwältigenden Landschaft der Helgelandküste. Der Ort hat viele weitere Geschäfte sowie hervorragende Cafés und Restaurants zu bieten. In Margrethes Kafè werden lokal verarbeitete Speisen aus der Helgelandregion serviert.
Das „Petter Dass Museum“ besteht aus verschiedenen Gebäuden aus dem 18. und dem 19. Jahrhundert. Das spektakuläre Museumsgebäude, entworfen vom berühmten Architekturbüro Snøhetta, feierte die Eröffnung 2007. Exponate vom Lyriker und Pfarrer Petter Dass zeigt eine Ausstellung in dem Museum. Die romanische Kirche von Alstahaug, errichtet im 12. und 13. Jahrhundert aus zugehauenem Speckstein, ist eine der sieben mittelalterlichen Kirchen, die in Nordnorwegen existieren. Die Kirche und das Petter Dass Museum befinden sich beide im Hof in Alstahaugtunet.

 

Helgelandsbrücke, die über den Leirfjorden führt, Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

De Syv Søstre ,©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

Vega-Inseln

Zwischen Sandnessjøen und Brønnøysund südlich des Polarkreises liegt der Vega-Archipel. Die Vega-Inseln liegen knapp unterhalb des Polarkreises. Sie gelten als eine der am wenigsten erforschten Inselschätze der Welt. Es gibt über 6500 Gründe, den Vega-Archipel in der Provinz Nordland zu besuchen. 6500: Das ist die Zahl der Inseln, Sandbänke und Schären.
Diese einmalige Kulturlandschaft aus Dutzenden von Inseln fand 2004 Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes. Damit fand das einmalige harmonische Zusammenleben zwischen den Insulanern und den Eiderenten während der Nistzeit eine Würdigung. Fischer und Bauern bestritten seit 1.500 Jahren ihren Lebensunterhalt damit und die Frauen halfen bei der Ernte von Eiderentendaunen. Mitten in den tausenden Inseln, Inselchen und Holmen liegt der alte Fischereihafen von Nes auf der Hauptinsel Vega. Der Besucher erfährt mehr über das Geschäft mit den Eiderenten. Wie der Bau von Nestern und kleinen Häuschen für die Vögel, dem Schutz beim Brüten und der Ernte und Reinigung der kostbaren Eiderentendaunen erfolgt. Die eigens für die Eiderenten errichteten Hütten finden sich nach wie vor neben Leuchttürmen, in Fischerdörfern und inmitten der atemberaubenden Landschaft.

Brønnøysund

Brønnøysund liegt an der Straße RV 76, wo sich Land und Meer begegnen. Die Küstenstadt hat 4.500 Einwohner und ist Bezirkszentrum und Verkehrsknotenpunkt in Sør-Helgeland. Der Name Brønnøysund stammt von den zahlreichen Brunnen und Quellen, derer sich die Seefahrer bedienten. Die Stadt entstand um die Jahrhundertwende. Ein Stadtbummel bietet viele Möglichkeiten. Bei einem Abendspaziergang auf der Havngata sind im Yachthafen die vielen Feuerquallen zu sehen. Der Besuch der Altstadt mit ihren Häusern aus der Zeit der Jahrhundertwende und die Besichtigung der Brønnøy-Kirche lohnen sich. Das Erholungsgebiet Svarthopen und die Hulebo-Höhlen bei Frøkenosen sind einen Besuch wert.

 

Ein Stadtteil von Brønnøysund Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

Torghatten

Weiter südlich in dem Insellabyrinth macht die Route einen Abstecher zum Berg Torghatten. Mit seinem 35 Meter hohen und rund 160 Meter langen Loch in der Mitte, bietet es einen einzigartigen Anblick. Das Loch entstand vermutlich zum Ende der Eiszeit durch die Meeresbrandung. Nach dem Abschmelzen der Gletscher hob sich der Erdboden und damit das ausgespülte Loch.
Eine alte Sage berichtet davon, wie das Loch im Berg entstand:
http://www.leka-camp.no/die_sage_von_lekamoeya.htm

 

Der Berg Torghatten. Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

Das berühmte Loch im Torhatten, Copyright: ©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

Holm

Holm liegt südöstlich von Halmøya und Øyhumpan und östlich von Rypstrandodden. Von Norden ist der Ort von der Straße RV 17 aus Richtung Brønnøysund zu erreichen. Über die Fährverbindung Vennesund – Holm, die ebenfalls zum Rv 17 gehört, erreicht der Besucher Holm in der Gemeinde Bindal.

Kulturdenkmal-Weg Holm

Der Weg startet bei Holm Camping. Er führt weiter zu dem alten Friedhof von Solstad, unterhalb vom Watt weiter durch ein Gebiet mit vielen Grabhügeln aus der Eisenzeit (500 bis 600 n. Chr.) und zurück zum Holm Camping. Der Weg ist drei Kilometer lang und hat sieben Plakattafeln. Sie informieren über die Grabhügel, das Tier- und Pflanzenleben und der Lokalgeschichte der Umgebung. Der Weg ist für Wanderer, Läufer oder für Menschen, die neugierig auf Lokalhistorie sind.

Solstad Kirche

Die ehemalige Solstad Kirche, abgebaut 1888 und in Lande in Tosen wieder aufgebaut, steht noch und ist jetzt die Lande Kapelle. Eine knappe Mehrzahl der Gemeinderatsmitglieder beschlossen die neue Kirche nicht an dem bisherigen Platz aufzubauen. Die sogenannte Langkirche mit 300 Sitzplätzen, von dem Architekten Ole Olsen Scheistrøen entworfen, kostete damals rund 24.000 Kronen. Die Kirche von heute besteht aus großen Teilen wie der Bau von 1888. Die größte Restaurierung des Inneren der Kirche erfolgte in den 70er Jahren. 1915 erhielt die Kirche eine Orgel, erbaut von den Brødrene Torkildsen. 1999 kam zusätzlich eine elektronische Orgel dazu. Die Altartafel, gemalt von Birger Bertils aus Sømna, die Jesus im Gebet im Garten Gethsemane darstellt. Ole Skålvik stiftete sie im Jahr 1925.

 

Solstad Kirche, Flickr per.aasen

 

Quellen: Nasjonal turistveger, Visit Norge,  Reuber

Beitragsbild: De Syv Søstre ,©Foto: Steinar Skaar / Statens vegvesen

 

 

Ein Kommentar zu „Landschaftsrouten – Helgelandküste 6/18, 433 km

  1. Liebe Eva,
    danke für diesen tollen Beitrag mit den überwältigenden Fotos. Ich freue mich, dass ich durch Dich einen kleinen Einblick in dieses beeindruckende Land werfen kann.
    Ihr überwintert immer in Deutschland? Du hast also noch ab und zu Sehnsucht nach dem schönen Deutschland und wenn Du dort bist, sehnt Du Dich wahrscheinlich nach Norwegen, oder?
    LG
    Astrid

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