Veröffentlicht in Nordland, Snakk i Norge, Südnorwegen, Vestre Slidre

Snakk i Norge

Catskiing: ist die Ruhe im norwegischen Gebirge in Gefahr?

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Vor zwei Jahren markierte die norwegische Regierung das Jahr des „Friluftsliv“ damit, im ganzen Land das motorisierte Fahren in der Freizeit zu ermöglichen. Bei einer Untersuchung 2014 waren 77 % dagegen, mit steigender Tendenz. Nun will das Klima- und Umweltamt im norwegischen Gebirge das „Catskiing“ zulassen.
Was ist das? Bei Catskiing werden Skiläufer mit Loipenzugmaschinen und Raupen vom Tal zu den Gipfeln des Gebirges transportiert. Danach genießen sie außerhalb von präparierten Pisten die Abfahrt ins Tal. Aber das Ganze gegen Bezahlung. Jetzt will die norwegische Regierung eine generelle Genehmigung für „Catskiing“ erteilen.
Die Sache weckt verstärkt bei den Norwegern das Gefühl, dass die Regierung in gewisser Weise nichts vom Wert der bestehenden Ressourcen versteht. Die machen sich nicht länger etwas aus freier und unberührter Natur. Hat der Umweltminister Vidar Helgesen das in sich verinnerlicht?
Weil es Proteste gab, soll die Verordnung als Versuch für sechs Jahre gelten. Das Fahren soll nur bei existierenden Skianlagen möglich sein. Für die Kommunen ist vorgeschrieben, auf die Vielfalt der Natur, die Kulturlandschaft, Krach und andere Nachteile für das Leben in der Natur Rücksicht zu nehmen. In der Theorie machen diese Forderungen „Catskiing“ beinahe unmöglich. Aber es sieht aus, als wären diese Forderungen nur auf dem Papier festgehalten, um den Widerstand der Gegner zu dämpfen.
Wie untermauert das Klima- und Umweltamt diesen Vorschlag. Sind Sie besorgt um die armen Skiläufer, die sich abrackern, zu Fuß oder mit Fellen zum Gipfel zu kommen. Oder sind es die daraus resultierenden Verletzungen und der Verschleiß der Bänder und Knochen und das damit verbundene norwegische Gesundheitsbudget zu schonen. Nein, die Begründung ist, „Catskiing“ ermöglichen den Alpinzentren neue Einkünfte. Dabei wirkt die „Unternehmerfreundlichkeit“ von Regierungsseite aus, eher paradox. Einige verdienen noch mehr Geld bei der Nutzung von verletzbaren, gemeinschaftlichen Eigentum. Stünden die norwegischen Skizentren am Rande des Konkurses, wäre eine solche Verzweiflungsmaßnahme zu verstehen. Ein Teil der Alpinanlagen sind klein und haben keine stabile wirtschaftliche Lage. Deshalb wünschen sie eine Erweiterung der Angebote. Aber paradoxerweise ist das Potential der Einnahmen begrenzt. Catskiing wird teuer und ist nur für speziell Interessierte mit richtiger Ausstattung möglich. So treffsicher ist also die wirtschaftliche Fürsorge des Staats. Das alles zeigt die großzügige Liebe der Regierung zu großen und finanzstarken Unternehmen. Sie haben ein finanzielles Polster und sind groß genug, in Personal, Ausstattung und Infrastruktur für Catskiing zu investieren, als Teil von einem größeren Angebot. Benötigen solche Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz im vergangenen Jahr von 100 bis 333 Millionen Kronen extra staatliche Unterstützung?
Das „Jedermannsrecht“ ist verwurzelt in der Idee, dass die norwegische Natur für jeden mit den gleichen Prämissen zugänglich ist. Gibt der Staat den Zahlungskräftigen ein exklusives Vorrecht für die schönsten Gebirgsregionen, brechen sie mit der norwegischen Kultur für das Gebirge, die besagt: “ Erst leisten wir etwas, bevor wir genießen.“
Das wirkt im Innern moralisch verstaubt, aber die Idee um Gleichheit im Gebirge und Demut gegenüber der Natur ist noch stark in diesem Land. Das ist der Grund, dass selbst ein Vorschlag für begrenztes ‚Catskiing‘ , auf starken Widerstand trifft.
Untersuchungen bestätigen, für die Norweger ist die Stille in der Natur das Wichtigste und von großem Interesse, um dort Aktivitäten zu betreiben.
Die Norwegische Touristenvereinigung (DNT) ist mit seinen 290.000 Mitgliedern Norwegens größter Wanderverein. Auch hier protestieren sie. „Die Regierung ist im Begriff eine kulturelle Änderung der Aktivitäten in der Natur in Norwegen einzuführen. Sich in der prächtigen Gebirgslandschaft mit den Geräuschen der Natur aufzuhalten, ist eine Rarität.“, sagt der Generalsekretär Nils Øveraas in DNT.
Der Vorschlag des Umweltministers, Vidar Helgesens, für Catskiing, repräsentiert eine traurige, materielle Weltanschauung.
Um eine Reihe Unternehmer und Bürgermeister glücklicher zu machen, opfert die norwegische Regierung die Freiheit derer, die die unberührte Natur aufsuchen.

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Quelle: BT

Einsatz für den Zusammenhalt im Ferienhausgebiet

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Um den Zusammenhalt der Ferienhausbewohner im Gebirge in Syndin bei Vestre Slidre zu stärken, gibt es Bewohner, die sich etwas Spezielles einfallen lassen. Tom Heier, ist einer davon. Seine Mutter kaufte das Ferienhaus vor 25 Jahren und nachdem Tom das Haus übernahm, fand er viele gute Freunde. Deshalb beschloss er, sie alle einzuladen. Jedes Jahr am Mittwoch, ein Tag vor Gründonnerstag. nehmen viele Leute vom Ort und Nachbarn die Einladung gerne an. Er hat in seinem Ferienhaus weder Strom, noch fließendes Wasser. Literweise bekommt er das Wasser angekarrt. Er räumt ein, Dienstag kommt oft eine Krise, ob er das alles schafft bei den vielen Arbeiten. Wenn er sieht, wie sich seine Gäste freuen, es gemütlich haben und sich miteinander nett unterhalten, ist das so schön. Und es bestärkt ihn, nächstes Jahr wieder einzuladen. Tom Heier tischt all die Herrlichkeit auf, die er auf seinem Holzofen zubereitet hat. Rund 60 Personen, Junge und Alte, kommen um die Mittagszeit und haben viel Spaß bei gutem Essen und Trinken. Die letzten Gäste gehen in den frühen Morgenstunden. Toms Einsatz schafft ein freundliches Klima zu den Bewohnern im Ort und guten Zusammenhalt in der Nachbarschaft der Ferienhausanlage. Er ist glücklich darüber, aber auch müde. Er benötigt eine Woche Extraurlaub, um sich von allem zu erholen.

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Quelle: NRK

Vor 50 Jahren: Viele Unglücke zu Ostern 1967 – 16 Tote

Es war zeitig, das Ostern 1967. Ostersamstag war am 25. März. Ein umfangreiches Tiefdrucksystem zog mit Wind und Niederschlägen über Norwegen vom Atlantik. Das westliche Gebirge in Südnorwegen und die Fjelltraktene in Nordland waren am meisten betroffen. Es war das schlimmste Ostern. Zwei kamen durch eine Lawine und vierzehn durch Ermattung, Kälte, starken Schneefall und Sturm im Hochgebirge ums Leben. Schon am Karfreitag, den 24. März 1967 waren 13 Tote im Gebirge gemeldet, vier galten in der Hardangervidda als vermisst. Die Unglücke waren in verschiedenen Landesteilen von Norwegen. Es kam eine Todesbotschaft nach der anderen von den Gebirgen. Vier Tote unter dem Skjurstingstind im Jotunheimen, drei überlebten nach einer Horrornacht im Schneesturm. Ein weiterer Toter im Sognefjellet, drei auf der Hardangervidda und einer im Hemsedal. Zwei Schweden erwischte eine Lawine im Rundhøgdafjellet in Engerdal und zwei Jungs kamen im Saltfjellet ums Leben. Fünf von den Toten waren im Alter von 17 und 20 Jahren. 2000 Personen, meiste junge Menschen, waren bei insgesamt 35 Such- und Hilfsaktionen bei Schneestürmen und schlimmsten Wetterverhältnissen dabei. Physisch und psychisch an der Grenze des Möglichen. Die Rettungsdienste und erfahrene Menschen des Gebirges verzweifelten am Respekt der Leute, die ins Gebirge gehen. Sie versuchten immer wieder die Regeln und den Respekt für das Gebirge zu vermitteln. Doch die Leute vergaßen diese Verhaltensregeln. Wettervorhersagen und richtige Kleidung wurden ignoriert. „Ins Gebirge gehen, ist nicht wie ein Ausflug in die Nordmarka bei Oslo.“, schrieben damals die Zeitungen.

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Quelle: Aftenposten

2 Kommentare zu „Snakk i Norge

  1. Liebe Eva,
    ich kann die Norweger gut verstehen, die sich vehement gegen Catskiing (war mir bis heute übrigens völlig unbekannt) wehren. Es geht doch wieder mal nur um´s Geld und Kommerz. Die Natur bleibt dabei wie fast überall auf der Strecke, dabei ist sie doch jetzt schon durch menschliche Eingriffe genug gefährdet. Warum reichen denn bestehende Skianlagen nicht aus, die sowieso schon einen mehr oder weniger großen Eingriff in die Natur hinterlassen? Warum müssen zahlungskräftige Skifahrer mit Raupenfahrzeugen, die Spuren und Schäden im unter dem Schnee liegenden Boden hinterlassen, noch höher hinauf auf die Berge? Dazu noch unnötiger Krach und Umweltverschmutzung durch Abgase… Hach, ich kann mich geradezu tierisch aufregen und hoffe, dass die Norweger es schaffen, die Verantwortlichen zu einem Umdenken zu bewegen.
    Liebe Grüße
    Inge

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