Veröffentlicht in Norge før - Historie, Südnorwegen

„Licht und Luft“

 

In Kristiania (heute Oslo) waren die Wohnungen in den Jahren  um 1800 klein und die Hinterhöfe schmal und düster.
Tuberkulose und andere ansteckende Krankheiten ließen die Menschen nicht alt werden.
Im Kampf gegen die Tuberkulose fand man in dieser Zeit heraus, dass Heilung möglich war, wenn man die Patienten draußen  ins Sonnenlicht legte und sie  frische und reine Luft einatmen ließ.  Für den zukünftigen Ausbau der Stadt war die Antwort  auf die erschreckende Krankheitsgefahr: weg mit den engen, ungesunden und dunklen Hinterhöfen. Mit Licht und Luft kurierten die Sanatorien die Tuberkulose-Kranken und die „kranke Seite“ der Stadt sollte sich auch damit erholen.

Nach der großen Wirtschaftskrise 1899, fanden die privaten Bauherren es am sichersten, im Westen der Stadt Wohnungen zu bauen, aber dort war damals kaum Bedarf. Dadurch entstand wieder ein neuer Wohnungsmangel in den ersten 10 Jahre um 1900. Die Kommunen sahen sich genötigt, eine Wohnungsbaugesellschaft zu gründen und bauten zum erstenmal selbst Wohnraum.

                  Torshovbyen, heute noch ein Vorzeigeobjekt für den Wohnungsbau
                  (Flickr Tor 22)

Das damalige Vorzeigeprojekt „Torshovbyen“ wurde von der Kristiania Kommune zwischen 1917 bis 1925 gebaut. Mit 1762 Wohnungen und einem großzügigen Stadtplan nach barocken Vorbildern, war Torshovbyen der größte und schönste Komplex mit Mietshäusern für die Arbeiterklasse.  Die meisten Wohnungen hatten zwei Zimmer  und eine Küche, richtig geräumig in einer Zeit, wo die meisten mit einem Raum auskommen mussten. Viele Familien kamen von baufälligen Häusern aus Vika und empfanden Torshov als ein Himmelreich. Die Wohnungen waren hell, hatten eine Küche und ein Wasserklosett, einige sogar mit Gas befeuerte Bäder. Die Wohnungen in Torshov sollten  die Norm für den Wohnungsstandard werden. Der Architekt war Harald Hals. Die Zeit um 1920 bezeichnete man als gelungenste Periode des kommunalen Wohnungsbau in Norwegen.
Aber weiterhin lebten immer noch viele Familien beengt in dunklen Mietwohnungen.
Unter dem Schlagwort „Raus aus dem Sanatorium “ begann Oslo 1930 ein umfassendes System mit Wanderwegen vom Zentrum hinaus nach Aker anzulegen, damit das Oslovolk auch ein wenig von den neuen Idealen zu spüren bekam. Das Wegsystem wurde immer weiter ausgebaut.

 

                 Schrebergärten sind heute noch sehr beliebt in Oslo (Flickr Erin)

Und dann entstanden Schrebergärten; dort hatten die Bürger im Sommerhalbjahr in den  kleinen Sommerhäuschen reichlich Licht und Luft. War kein Geld für ein Schrebergartenhäuschen vorhanden,, konnten sie auf jeden Fall zu Ola Narr auf Tøyen ziehen, dort waren Liegeplätze ausgegraben worden, damit Tøyens Arbeiter in der frischen Luft und in der warmen Sonne liegen konnten. „Licht und Luft“ war das neue Mantra.
Das deutlichste Zeichen mit dem Willen, den Arbeitern ein besseres Leben zu verschaffen, kam inzwischen draußen  auf der vornehmen Insel Lindøya an. Arbeiterfamilien hatten seit 1905  begonnen Holzhütten zu bauen und sie schlugen dort ihre Zelte auf.

 

            Ganz stolz waren die Arbeiter, so ein Holzhäuschen zu besitzen

Um 1800 hätte man sie garantiert als Landstreicher verjagt, aber nun war der Wert „Licht und Luft“ wichtiger, denn gleichzeitig hatte die Urlaubs- und Freizeitregelung den Arbeiterstand erreicht. Wirklich immer noch unglaublich war für die
Arbeiterfamilien, in ihren selbstgebauten Hütten, die wie die Häuschen in den Schrebergärten aussahen, ihre freie Zeit auf der Insel verbringen zu können.

Quelle: Aftenposten , Lokalhistoriewiki

2 Kommentare zu „„Licht und Luft“

    1. Liebe Elke, danke schön! Wünsche Dir auch einen schönen Winter Sonntag, bei uns in Frankfurt schneit es. Liebe Grüße Eva

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