Veröffentlicht in Norge før - Historie, Südnorwegen

Als Oslo, Oslo wurde

 

Der ursprüngliche Name der Stadt ist Oslo. Im Mittelalter befand sich diese Stadt an der östlichen Seite der Bjørvika Bucht unterhalb von Ekeberg. Nach einem zerstörerischen Stadtbrand im Jahre 1624 entschied Christian IV., dass die Stadt in der Gegend der Festung Akershus wieder aufgebaut werden und den Namen Christiania tragen sollte. Ab 1877 schrieb man den Namen Kristiania mit K, und 1925 bekam die Stadt ihren ursprünglichen Namen Oslo zurück.

Wann der Gedanke des Namenswechsel das erste mal auftauchte, ist unklar.
Der Sprachforscher Ivar Aasen hatte 1886 zum Ausdruck gebracht, wie fremd der Name in der norwegischen Sprache war.

„Warum soll die norwegische Hauptstadt einen lateinischen Namen haben? Bis dahin gab es in Schriften diverse merkwürdige Abkürzungen wie Chra, Chria und Xania. Diese Namen funktionieren schlecht als Gedenknamen, weil so viele Könige Kristian und Fredrik diesen Namen trugen. An welchen König soll erinnert werden? Christiania ist für Norwegen ein halbbarbarischer Name!“, führte  der Sprachforscher aus.

Aber der Namenswechsel ging damals nicht so problemlos vor sich. Ein nationales Thema wurde daraus und spaltete das Land. Stadt gegen Land.  Die Rechten gegen die Linken.

Die damals den Vorschlag des Namenswechsel von Kristiania auf Oslo betrieben, waren der Meinung, es war sehr unpassend,  dass die Hauptstadt Norwegens einen Namen hatte,  der von einem dänisch-norwegischen Unionskönig stammte.

Das „Riksmaalsbladet“ 1923 schrieb: „Oslo hört sich an, wie Geräusche von zwei Holzstöcken, die aneinander geschlagen werden!“

Bahnhofsplatz 1920

Die Fronten waren verhärtet. Viele meinten, eine Hauptstadt könnte mit so einem vulgären Namen wie Oslo nicht leben. 1918 hatte Kristiania beinahe 300 Jahre diesen Namen und viele meinten, Oslo wäre erbärmlich und hässlich. Sigrid Undset sagte ernsthaft, sie würde sich  für ihr Kristiania schämen,  wenn es zum Namenswechsel Oslo käme.

Oslo war zu dieser Zeit ein Stadtteil von Kristiania und der ärmste. Deshalb identifizierte sich die Bürgerschaft von Kristiania überhaupt nicht mit dem Namen Oslo. Außerdem ging der Name von einem kleinen, mittelalterlichen Städtchen aus und war unpassend für eine moderne Großstadt. Kristiania hatte sich in der Welt einen Namen gemacht und ohne so weiteres konnte man nicht den Namen einer Hauptstadt wechseln. Sie hatten Angst sich in der ganzen Welt lächerlich zu machen.
Anfang des 19. Jahrhunderts waren viele der Meinung, der Stadtname erinnere so sehr an die dänische Zeit.
Zwei Sprachprofessoren, Hjalmar Falk og Marius Hægstad, bekamen damals den Auftrag alle norwegischen Stadtnamen zu untersuchen, ob sie Norwegisch genug waren. Sie kamen unter anderem zu dem Ergebnis, dass Kristiania den Namen Oslo erhalten sollte.

Es gab für und wider Argumente für den Namenswechsel.

Die Argumente für die Änderung:
Oslo hat mehr ästhetische Qualitäten als Kristiania.
Der Namenswechsel der Hauptstadt ist eine nationale Forderung.
Oslo ist Symbol einer stolzen norwegischen Geschichte.
Kristiania ist ein barbarischer, lateinischer Name und die Schmerzgrenze für den Namen einer norwegischen Hauptstadt  ist dafür erreicht.
Der Namenswechsel wird kulturelle Gegensätze zwischen der Hauptstadt und dem Rest der norwegischen Nation entfernen.

Einige Politiker des norwegischen Parlaments hatten darauf gewartet nach der langen Unzufriedenheit.

Die Argumente dagegen waren:
Kristiania hat gleiche, große historische Rechte wie Oslo.
Wir wissen nicht, woher der Name Oslo herkommt oder was er bedeutet.
Nur die in der Hauptstadt geboren sind, sollten Stimmrecht über diese Frage haben.
Oslo ist der Name für eine Stadt  aus der Sagazeit, nicht für eine moderne Industriestadt.
Der Namenswechsel ist eine Maßnahme des Neunorwegischen.
Es wird teuer, den Namen einer Stadt zu wechseln.
Es gibt wichtigere politische Sachen, auf die man sich konzentrieren sollte.
Kristiania ist eine andere Stadt als Oslo.
Oslo ist der Name eines Arbeiterstadtteils.
Der Name Oslo ist vulgär.
König Kristian war nicht nur ein dänischer König, sondern auch norwegischer Erbkönig. Er verdient ein Andenken.

Dass Oslo nicht richtig ausgesprochen werden wird, meinten damals schon einige. Es wurde voraus gesagt, es könnte „Oschlo“ werden.
„Meint ihr, dass der Name Oslo so besonders schön ist? Wenn man ihn mit dem breiten Dialekt ausspricht, dann wird  es „Oschlo“ . Kann man sich etwas hässlicheres vorstellen? Nein, Kristiania ist Lust, Leben, und ein Begriff ist dieser Name!“ , argumentierte damals der Repräsentant der Stadtverordnentenversammlung, Ragna Hørbye.
Auch heute noch ist die Debatte über die richtige Aussprache des Namens der Hauptstadt heftig.

Die Zeitungen bezogen inzwischen auch Partei.
Mehrere Jahre kämpfte die Bürgerschaft verbissen gegen den Namenswechsel. Sowohl sie und die Gegner schrieben jähzornige Leserbriefe und die Zeitungsredaktionen  nahmen dazu Stellung, wie das konservative Morgenbladet. Sie schrieben 1924:
„Oslo ist ein Häuslername (Häusler waren damals Pächter). Bei dem Klang des Namens nimmt man an, es ist eine Scheune,  eine Weide oder viel schlimmer!“
Selbst wenn die Zeitungen Gegner waren, mussten sie auch der Gegenpartei Platz in den Zeitungsspalten einräumen. In einem Leserbrief ging Emil Smith in einer Debatte auf die Aussprache von „Kristiania“ ein und erwähnte die Wiederholung von „ia“ im Namen, wie „zwei Eselschreie , die keiner schafft auszusprechen!“

Zu Beginn um 1920 bekam  der Namenswechsel Oslo immer mehr Aufwind. Zornig waren die Menschen und heiße Diskussionen entbrannten. Es wurden vom Rednerpult des norwegischen Parlaments  Dinge gesagt, die heute vom Parlamentspräsidenten mit dem Hammerschlag  abgewiesen worden wären. Es war Personencharakteristik und Dinge, die heute gegen die guten Sitten verstoßen würden..

Aufkleber wurden gedruckt

Endlich, 1924 beschloss das norwegische Parlament, dass die Hauptstadt ‚Oslo‘ heißen soll. Der alte Stadtnamen war wieder auferstanden.
Und was macht eine Hauptstadt, wenn sie den Namen ändert? Die Welt muss informiert werden! Die Handelskammer in Oslo druckte Broschüren und Aufkleber. «The capital of Norway will hereafter be called Oslo»

Quelle: NRK
Bilder: Det Gamle Norge

Beitragsbild:  (Aufnahme von einem Luftballon über Christiania,
alter Hafen in Bjørvika, Lichtdruck von 1906)

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