Veröffentlicht in Ge(er)lesenes aus Norwegen, Hordaland

Die große Katastrophe

 

Ohne den Großbrand im Jahr 1916, wäre Bergen heute nicht die zweitgrößte Stadt in Norwegen.

Am Samstag, den 15. Januar 1916 um 17.15 Uhr ging der Alarm los. Eine brennende Kerze in einer Lagerhalle am Meer entzündete sich bei Vågen in Bergen. Die Feuerwehr war rasch vor Ort, schaffte es aber nicht, die Flammen zu löschen. Im Morgengrauen am anderen Tag, lagen große Teile  im Zentrum von Bergen in Schutt und Asche.

Dieser gewaltige Brand vor 100 Jahren war die Ursache, dass Bergen wachsen konnte und heute Norwegens größte und wichtigste Stadt neben Oslo ist.

“Es war eine Katastrophe für Bergen, ohne Zweifel. Aber es war eine Notwendigkeit”!,  erklärte der bekannte Stadthistoriker Tryggve  Fett.

“Große Teile vom Zentrum waren so verzweigt verbaut, dass die derzeitige Entwicklung nicht möglich gewesen wäre. Bergen stagnierte und lag weit unten auf der Liste in Bezug der größten Städte in Norwegen!”, meinte er.

Mit Beginn von 1916 waren große Teile des Zentrums in Bergen ein unübersichtliches Sammelsurium von alten, neuen und angebauten Holzhäusern, eingeschlossen zwischen großen, protzigen gemauerten Gebäuden, die die Bergenser im Vergleich ihrer Stadt in Assoziation einer Großstadt zu Europa sahen.

Nicht zuletzt schossen neue, luxuriöse Hotels wie Pilze aus dem Boden. Der Tourismus blühte merklich auf, weil der deutsche Kaiser Wilhelm II die Stadt jedes Jahr besuchte und damit internationale  Aufmerksamkeit erzielte.

Die Stadt sah ganz anders aus.

Hinter den protzigen gemauerten  Gebäuden war ein spät mittelalterliches Chaos im Straßennetz. Zwei schmale Hauptstraßen liefen nördlich von der Torgallmenningen nach Nordnes, mit den klassischen, schmalen und verwinkelten Gassen von Bergen.

Häuser in allen Formen, Größen und Materialien vom 16. Jahrhundert bis 1917,  waren überall hinein gezwängt, wo es nur ging, vollständig ohne Planung, weil es damals keine Baugenehmigungen gab.

Zu behaupten, dass das Viertel Brand gefährdet war, sollte eine erhebliche Untertreibung sein.

Deshalb war auch die Katastrophe  rasch eine Tatsache, als um 17 Uhr, Samstag, den 15. Januar, bei einer Warenzählung im Eisenwarenhandel  J. Berstads Lagerhallen in der Strandsiden  (heute Strandkaien) alles schief ging. Eine Kerze zündete eine Teerkugel im Laubengang an..Die Arbeiter öffneten die Tür, um die Kugel in das Meer zu hieven, allerdings stürmte es draußen. Eine kräftige Windböe blies durch die offene Tür und dadurch breitete sich das Feuer in der Lagerhalle aus.

Kurze Zeit später stand der ganze Bau in Flammen.

Wegen dem kräftigen Wind breitete sich der Brand rasch aus. Funken flogen über die Stadt und zündeten ein Dach nach dem anderen an. Zuerst gingen die Flammen über die alte Smørsallmenning. Die Feuerwehr von allen Stationen der Stadt und hunderte von Freiwilligen kämpften, um den Brand zu stoppen, aber es ging immer mehr verloren. Am Abend stand das ganze Viertel zwischen Strandgaten  und Markeveien voll in Flammen. Verqualmte  Handelshäuser auf beiden Seiten der Torgallmenningen.

Lange stand  “den Nationale  Scene” und das “Hotels Norge ” in Gefahr, aber bei beiden Orten schafften Freiwillige, Brandnester zu löschen.

Das Kunstmuseum “Permanenten “ am Byparken  wurde mit feuchten Planen abgedeckt  mit derselben Methode wie bei einem  Brand 1855, wo der Börsengang vor den Flammen gerettet wurde.

Im Süden stoppte der Brand bei der Feuerwehrstation in der Christies Gate. Hätte nicht das Wetter umgeschlagen, wäre es noch viel, viel schlimmer ausgegangen.  Die Situation  änderte sich blitzartig. Der Sturm stoppte abrupt  und es wurde ganz  still. Danach waren die Löscharbeiten leichter.

Die drei Arbeiter vom Berstad-Lagerhaus wurden später zu drei Monate Gefängnis für unachtsamen Umgang mit Feuer verurteilt.

Die meisten Zeugenaussagen  von 1916 waren natürlich geprägt  von Schock, Ungläubigkeit und Machtlosigkeit. 2700 Bergenser wurden über Nacht obdachslos  und das ganze blühende Handelsviertel dem Erdboden gleichgemacht.

Schon Tage später nach der Katastrophe schafften einige etwas Positives aus dem Elend zu sehen.

Nach dem großen Feuer bekam das Zentrum in Bergen eine ganz neue Straßenstruktur mit wenigen und breiteren Straßen und größere Viertel.

Die Stadt verlor sehr viele alte, erhaltungswürdige Bauwerke, aber gleichzeitig  gewann sie an Entwicklungsmöglichkeiten, wovon  Bergen erheblich profitierte. Die Stadtplaner machten danach ihre Arbeit richtig. Torgallmenningen wurde ein zentraler Platz und es entstand eine ganz neue Straße, die Christian Michelsens gate. Dort wurde der Straßenverkehr aus dem Zentrum herunter nach Nøstet geleitet und das funktioniert heute noch.

2016 ist das Straßennetz noch dasselbe, wie es nach der Brandkatastrophe entstanden ist. Auch die Gebäude in der Umgebung. Das so genannte “1916 Viertel” wurde wieder Bergens wichtigstes Geschäftsviertel.

Der Wiederaufbau reichte bis in unsere Zeit. Auf einem ehemaligen Brandgrundstück entstand  2011 der letzte Neubau.

Dort bekam das Obere Gericht von Norwegen “Gulating lagmannsrett”  sein Refugium, in dem einst extravaganten  Hotel Metropol, das von 1897 bis 1916 dort stand.

Das Gebiet zwischen Murallmenningen und nördlich nach Holbergsallmenningen ist noch so, wie das alte Zentrum in Bergen vor dem Brand war, mit den schmalen Hauptstraßen und den engen Gassen. wo auch das Geburtshaus von Amalie Skrams stand, die Cort Piil-Gasse.

Beitragsbilder: Bergen Vågen heute/Flickr Akbe

Bilder und Infos hier

Quelle: www.nrk.no/hordaland/xl/den-nodvendige-katastrofen-1.1273386

http://www.nrk.no/hordaland/se-bergens-hundrearsmarkering-av-bybrannen1.12750052

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