Veröffentlicht in Ge(er)lesenes aus Norwegen, Südnorwegen

Historisches Oslo: 1930 bekam Norwegen sein erstes Hochhaus

 

Wirft man heute einen Blick auf den achtstöckigen „Horngården“ beim Egertorget, der eine undramatische Höhe hat, wird er faktisch als Norwegens erstes Hochhaus angesehen, und wurde für die Firma H. Horn & Co. 1930 gebaut.

In seinen Planungen sah der Architekt, Lars T. Backer, ein schönes und markentes Gebäude, dass hinter dem „Stortinget“ als Signalbau stehen sollte. Gleichzeitig war ihm bewusst,  dass eine übertriebene Höhe, wie er sie bevorzugte, Debatten auslösen würde. Er entwarf deshalb zwei Varianten, eine mit 13 Stockwerken und eine wohl mehr akzeptable  mit acht Etagen.
Als die Pläne Ende der 20er Jahre öffentlich gemacht wurden, ein Gebäude mit 12 Vollgeschossen und einem eingerückten Dachgeschoss, war kontrovers und bekam keine Ausnahmegenehmigung von der Baubehörde.  Denn bis dahin war Oslo eine Stadt mit niedrigen Bebauungen, deshalb war der Plan eines solchen Baus so neu und unerhört, gleichzeitig betrachtete man ihn auch als ungewöhnlich.
So reduzierte man das Gebäude auf nur acht Etagen. Es war so konstruiert, dass später eventuell doch noch auf 13 Etagen aufgestockt werden konnte.

In den Bebaungsplänen „Hochhäuser in Oslo“ bezeichneten 2002 die Planungs- und Baubehörden ein Gebäude als Hochhaus, dass eine Mindesthöhe von 45 Meter und mindestens 12 Etagen hatte. Man kann sich vorstellen, wie revolutionär der geplante
Bau mit 13 Etagen damals war.

Vor einiger Zeit widmete das Architekturmuseum am Bankplassen in Oslo Lars T. Backer eine Ausstellung, in der es um die Geschichte der Erbauung des Horngårdens ging. Sie gibt Einblicke in die Zeit der 20iger Jahre und dem Architekten Backer, der als kühner Erneuerer und offen für neue Eindrücke auf eine instruktive, variierende und spannende Weise war.

Lars Backer, geboren 1892, arbeitete in seinem Beruf als Architekt in den ersten Jahren im klassischen Stil, ihm war aber bewusst, dass Norwegen eine Stilerneuerung benötigte. Die Antwort kam mit seinen drei großen Bauwerken innerhalb des neuen funktionalistischen Stils: Skansen (ein Restaurant, wurde 1970 abgerissen) Ekebergrestauranten (ist heute noch ein Restaurant ) und Horngården.
Während die beiden ersten heftige Kritik ernteten, wurde Horngården bejubelt, nachdem die obersten fünf Etagen nicht gebaut wurden. Norwegen hatte sein erstes Hochhaus und gleichzeitig den Eintritt in den Funktionalismus gefunden.
Der Architekt Lars T. Backer starb 1929 und so vollendete sein Kollege F. S. Plautou das Bauwerk. Es ist vom Riksantikvar unter Denkmalschutz gestellt worden und umfasst die Fassade, Struktur und Aufteilung der Etagen und das westliche Treppenhaus. Horngården zeichnet sich durch seine reine funktionalistische Architektur aus und erhielt 1930 den norwegischen Architekturpreis „Sundts premie“.

Wer einen Blick auf das Gebäude werfen will:
www.osloby.no/nyheter/Historiske-Oslo-Da-hoyhuset-kom-til-Norge-8428634.html

Quelle: Osloby, Wikipedia

Beitragsbild: Flickr John Lord

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