Veröffentlicht in Ge(er)lesenes aus Norwegen, Nordland

Die Lofoten hatten ein Problem

 

Jedes Jahr besuchen fast eine Million Menschen die Kommunen auf den Lofoten, eine Region, die ein beachtliches Wachstum in den letzten Jahren erlebte. Vor Weihnachten berichtete   das populäre Reisemagazin Lonely Planet auf 12 Seiten über den naturschönen Landesteil in Nordnorwegen.
Aber der Schein trügt. Geht man nur 10 Meter entlang dem Wanderpfad in Richtung Yttersandheia, entdeckt man überall Toilettenpapierreste  und Hinterlassenschaften von Menschen.
100.000 Besucher, die zum Reinebingen gehen oder die Mitternachtssonne  in Kvalvika  erleben wollen, finden in der Flakstad Kommune nur zwei  öffentliche Toiletten, ausgenommen die der Touristenbetriebe.  In Moskenes sind es vier. Müllcontainer, wie auf Brunstranda, sind ständig überfüllt,  obwohl sie zweimal die Woche geleert werden.
Überall liegt Müll herum. Ein Teil der populären Touristenorte sind stark verunreinigt durch Toilettenpapier,  Binden und Tampons.  Man kann sich den Geruch an einem warmen Sommertag vorstellen.
Überall sind Verbesserungen dringend notwendig.
Leider können die einzelnen Gemeinden den Ansturm von Touristen nicht bewältigen.
Ein kleiner Wald in der Nähe vom Gandalfveggen i Henningsvær wird inzwischen „the forrest of shit“ genannt. Versteck spielen sollte man dort nicht. Es gibt dort keine Toiletten.  Entweder man macht ins Meer oder in den Wald. Kletterer können von einem kleinen Rohr Wasser holen.  Die Konsequenzen sind, viele Kletterer sind in andere Teile der Lofoten abgezogen.
Immer mehr besuchen die Lofoten gerade mit dem Wunsch, aktiv die Natur zu erleben. Nicht wie bisher nur der Klettersport, Mountainbike fahren, Reiten sind einige Beispiele der neuen Aktivitäten in der Natur.
Die Politiker der Kommunen sind der Meinung, es muss etwas geschehen, sonst wird sich das demnächst negativ auf den Tourismus auswirken.

In der Zeit zwischen Mai und September  sind die Lofoten die Region mit den meisten ausländischen Gästen in Nordnorwegen. Das ist zwar Positiv, führt aber viele Herausforderungen mit sich.
Verschleiß  und mangelnde  Infrastruktur außerhalb der kommerziellen Anlagen sind eine große Herausforderung. Die Kommunen sitzen auf Rechnungen, aber wenig oder nichts geschieht.  Nicht weil kein Wille da ist, es fehlt einfach an Geld.
Das heutige System der Lofoten  ist nicht mehr tragfähig. Zwar ist noch keine Krise eingetreten, aber es ist wichtig darüber zu debattieren und aufmerksam zu machen. Jede Kommune ist für die Bereitstellung  und dem Betrieb von öffentlichen Toiletten,   Instandhaltung  von Wegen, Beschilderungen, Handtierung von Abfall und vieles mehr verantwortlich.

Auf den Lofoten  kommen per Einwohner 17 Besucher. Zusätzlich wächst die Anzahl der Anbieter für Airbnb,  zusammen mit dem Verkehr von Wohnwagen,  Campingwagen  und Zelturlauber. Übernachtungen, die nicht in die Statistik  eingehen. Es geht also um hohe Kosten für relativ kleine Kommunen.  Selbst wenn der Tourismus gut läuft, bedeutet es nicht, dass es  den Kommunen besser geht, sie erhalten Gelder vom Staat nach den Einwohnern in der Region.

Die Lofoten sind an einem Scheitelpunkt und haben heutzutage kein Werkzeug,  um den Reiseverkehr zu regulieren.
Von 2000 bis 2014 erlebte Norwegen  eine Wachstum  bei den kommerziellen Übernachtungen von 27 Prozent, die Lofoten  allerdings 50 %, was demzufolge  in den letzten  Jahren die steigenden  Probleme ergab, geknüpft daran,  was Abfall und Verschleiß,  sowie wildes Campen angeht.

2015 hatten die Lofoten 405.000 Übernachtungen bei Übernachtungsstätten mit mehr als 10 Betten. Allerdings gibt es auch sehr viele kleinere Übernachtungsanbieter. Die Lofoten sind große  Anbieter von Airbnb und es gibt viele Herumfahrer in Wohn- und Campingwagen,  deshalb sind die reellen  Zahlen wahrscheinlich zwischen 800.000 und einer Million.
Der Reiseverkehr kann in den kommenden Jahren beträchtlich steigen.  Laut einer neuen Regierungsmeldung erwartet Norwegen bis 2030 ein Steigerung des Tourismus  von 80 % , verglichen mit der Statistik von 2013. Für die Lofoten bedeutet das jedoch 150 %, wird die Anzahl der Touristen im Zusammenhang mit der Entwicklung, die die Lofoten in den letzten  Jahren erlebte, wie in dem Bericht skizziert, zugrunde gelegt.

Es gibt einige Reiseziele in Norwegen, die wesentlich mehr Besucher per Einwohner haben, wie die Lofoten. Das sind hauptsächlich die Wintersportorte, die Aktivitäten  auf präparierten Pisten und Loipen anbieten.
Ähnlich erleben große  Teile von Nordnorwegen  einen schweren  Andrang in einer Zeit im Jahr, die den Aktivitäten  in den Wintersportorten gleichzusetzen sind; tiefe Spuren  und Verschleiß prägen die Landschaft.

Die Kommunen der Lofoten müssen jetzt die Vorreiter für Veränderungen sein.

Entweder es werden  staatliche Zuschüsse für die Reiseziele etabliert, die abgerufen werden können , wenn der Druck auf die Naturschönheiten zu groß  wird. Oder man erhebt Abgaben von Besuchern,  um Gemeinschaftseinrichtungen wie Toiletten und bessere Systeme für Müllabfuhr und Abfallbeseitigung einrichten zu können. Die Abgaben von Touristen  sind in vielen anderen Ländern bereits Praxis. Eine Kurtaxe von 10 Kronen per Übernachtung  bei 400.000 kommerziellen Übernachtungen,  würden vier Millionen Kronen für die Kassen der Kommunen  bedeuten, eine gute Hilfe und jährlicher Zuschuss  für die Wahrung der Naturschönheiten auf den Lofoten.

Andere populäre Reiseziele in Norwegen bekommen früher oder später die gleichen Probleme. Die Lofoten werden hoffentlich die Vorreiter  für viele andre Touristenziele sein. Die Vesterålen  kommen danach, auch Helgeland wird die gleichen Herausforderungen auf längerer Sicht erfahren. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann andere Regionen vom Tourismus entdeckt werden.

Quelle: NRK

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