Veröffentlicht in Ge(er)lesenes aus Norwegen, Telemark

Lange Wartelisten, um ein Wikinger zu werden – Die Volkshochschule in Seljord in Telemark

 

 

Besonders große   Aufmerksamkeit  in der Welt, schafft der Kurs „Wikinger sein“,  den  die Volkshochschule seit dem vergangenen Jahr  in Seljord in Südnorwegen anbietet. Sogar die New York Times schickte einen Journalisten, der die 14 Teilnehmer begutachten sollte, die sich für ein Jahr für diesen Kurs eingeschrieben hatten. Scheinbar sind die TV Serien «Vikings» und «Game of Thrones» Auslöser,  dass 2016 das Interesse wieder sehr groß ist. Die Wartelisten sind lang und die Anfragen kommen aus der ganzen Welt, deshalb wurden die Teilnehmer auf 20 erhöht.
Norweger und zwei Belgier sind die neuen Hochschüler ab dem kommenden Herbstsemester 2016, wobei die Norweger sich die 9 Monate Uni anrechnen lassen können, aber einen Abschluss bzw. akademische Punkte gibt es nicht. Das Programm gleicht eher einer Berufsschulausbildung.

Die Wikingerschülerinnen und -schüler sollen Theoretisches, aber vor allem auch Praktisches aus jener Zeit erlernen. Sie schnitzen, fischen und gehen auf Raubzug. Ein Studienjahr geht von September  bis in den Mai und kostet 10700 Euro. Die angehenden Wikinger wohnen in der Schule und bekommen auch ihre Mahlzeiten dort.
Es sind nicht nur junge Leute, die wegen der Winkingerausbildung nach Seljord kommen. Auch Lehrer bewerben sich, um ihre Kenntnisse weiter zu geben und Interessen zu teilen.
Auf der Suche nach einem entsprechenden Lehrer im vergangenen Jahr, gab es Bewerbungen aus Deutschland, den USA, Schweden und Dänemark.
Die Wahl fiel auf den Dänen Jeppe Nordmann Garly, den „erste Wikingerschullehrer der Welt“. Der 36-jährige Däne ist Experte für die skandinavischen Seefahrer. „Ich beschäftige mich mit den Wikingern, seit ich denken kann“, sagte er. In Dänemark sei er in der sogenannten Reenactment-Szene aktiv gewesen, in der es darum geht, historische Ereignisse möglichst authentisch nachzustellen. Genau deshalb wurde er von der Seljord Folkehøgskole beauftragt, sein Wissen über das Leben der Wikinger auf akademischem Niveau weiterzugeben. Seit vergangenen August unterrichtet er nun in Seljord, etwa 200 Kilometer von Oslo entfernt, im Fach „Wikinger“ zusammen mit seiner Frau Linnea. Während sie vor allem in der Herstellung von Kleidern und Mahlzeiten unterrichtet, lehrt Jeppe ein Wikingerschiff segeln und Werkzeuge schmieden.
Raubzüge stehen dabei nicht auf dem Plan: „Die Wikinger waren mehr als nur Krieger und Plünderer. Sie waren Bauern, Fischer und Handwerker. Dieses alltägliche Leben fasziniert mich – und das will ich meinen Studenten nahebringen“, sagt Garly. Am wichtigsten ist dem Dozenten die praktische Erfahrung: Seine Schüler sollen zum Beispiel lernen, Löffel oder Schüsseln zu schnitzen, um damit später echte Wikingergerichte zu essen.
Pfeil und Bogen kommen bei der dafür nötigen Nahrungsbeschaffung allerdings nicht zum Einsatz. „Wir ‚fangen‘ die Tiere im Supermarkt“, sagt Garly.

Die 20 jährige Juliane G. aus Kongsberg war bei den ersten Schüler/innen und fühlte sich bei diesem Studienjahr sehr wohl. Bei ihrem Studiengang wurde sehr viel Gewicht auf die Geschichte und Kultur der Wikinger gelegt und ein großer Teil des Pensums waren die Handwerkstraditionen. Sie beschrieb das Schuljahr als super phantastisch. Wir waren eine tolle Clique  mit total verschiedenen Leuten, die Spaß miteinander hatten. Die allererste Fahrt mit einem Wikingerschiff war eine von den Höhepunkten in unserem Kurs gleich beim Start des Schuljahres.  Wir ruderten mit dem Wikingerschiff „Åsa“ auf der Nordsee. Wenn wir bis dahin noch kein Wikingerfeeling hatten, bei dieser Fahrt kam es dann auf. Juliane lernte schmieden und das Nähen von Schuhen und Bekleidung aus Leder.

Nach ihrer Ausbildung will sie weiterhin mit den Materialien Leder und Holz arbeiten.
Gerade näht sie sich ein Wikingerzelt, um Festivals und Märkte zu besuchen.
Ob es für sie nur ein Hobby bleibt, weiß sie noch nicht.
Es soll einen Arbeitsmarkt für Absolventen geben. Mittelalterfestivals und Spektakel als auch besondere Events an historischen Orten und in Museen erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Vergangenheit dabei mit richtigen Menschen aufleben zu lassen, ist sehr gefragt.

Quelle: NRK, Spiegel

Beitragsbild: FLICKR magkeszt

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