Veröffentlicht in Allgemein, Ge(er)lesenes aus Norwegen

Zelten, aber nicht auf einem Friedhof

Die Einwohner des kleinen Dörfchens in Nordnorwegen rieben sich ungläubig die Augen. Sahen Sie richtig? Auf dem frisch gemähten Rasen des Friedhofs der kleinen Gemeinde  standen, wie über Nacht aus der Erde neu herausgeschossene Pilze, ein blaues und grünes Kuppelzelt. An dem Friedhofszaun lehnten zwei Fahrräder mit dicken, gefüllten Gepäcktaschen.
Gunnvor,  die jeden Tag das Grab ihres erst kürzlich verstorbenen Mannes besuchte, schüttelte irritiert den Kopf.
„Die Touristen werden immer dreister „, murmelte sie traurig.

Wildes Camping – das klingt aufregend bis gefährlich, oder ist sogar etwas Verbotenes. In den meisten europäischen Ländern ist es das auch. Nicht jedoch in Norwegen. Denn dort ist das Zelten abseits der offiziellen Campingplätze weitestgehend legal und gehört sogar zu den beliebtesten Formen des Campings.  Damit es nicht zu solchen unschönen Vorfällen kommt, wie NRK vor Kurzem berichtete, sollte das „Jedermannsrecht“ beherzigt werden.

Es besagt,  man soll respektvoll mit der Natur umgehen, keinen Müll hinterlassen. Zur nächsten Hütte beziehungsweise zum nächsten Haus muss ein Mindestabstand von 150 Metern eingehalten werden. Auf bewirtschafteten Flächen und Parkplätzen ist das Nächtigen selbstverständlich untersagt. Wer länger als zwei Tage bleiben möchte, muss grundsätzlich eine Erlaubnis haben. Anders verhält es sich an sehr abgelegenen Stellen und in den Bergen. Dann ist keinerlei Erlaubnis nötig. Weitere Informationen zum Jedermannsrecht sind unter dem Link
https://allemannsretten.no/2013/08/01/teltreglene-faq/ 
nachzulesen. Dort wird auch auf eine grundlegende Regel in diesem Zusammenhang hingewiesen, die jeder Norwegen-Tourist respektieren sollte: „Sie müssen sich überall vorsichtig fortbewegen, so dass weder die Natur noch das Eigentum Schaden nehmen. Nehmen Sie Rücksicht auf Tiere und Personen, die sich in dem Gebiet befinden.“

In einigen Kommunen befinden sich die Verbotsschilder “telting forbudt”.  Ein Verbot muss eine gesetzliche Rechtsgrundlage haben, ein Grundbesitzer darf keine Verbotsschilder aufstellen. Auf öffentlichen Freizeitgebieten begrenzen die Kommunen oft die Möglichkeiten des Zeltens.  Im Kragerøskjærgården ist das Zelten verboten, auch im Fløyen-Gebiet in Bergen und  in vielen Freizeitgebieten in Kristiansand. Auf den Langøyene in der Nesodden Kommune wurden eigene Vorschriften beschlossen, nachdem viele Jahre dort Alkohol- und Rauschmittelmissbrauch beim Campen an der Tagesordnung waren.

Quelle :NRK, Norwegenservice.net

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