Veröffentlicht in Ge(er)lesenes aus Norwegen, Nordland, Troms

Luftverschmutzung in den Städten von Nordnorwegen wird zum Problem

In mehreren nordnorwegischen Städten ist die Luft teilweise so schlecht, dass das Einatmen ein großes Gesundheitsrisiko birgt.
Wim Weber, der Umweltratgeber der Tromsø Kommune, schaut auf die Übersicht von luftkvalität.info und die weißt ein rotes Ikon für seine Stadt aus. Ein beträchtliches  Gesundheitsrisiko bedeutet das. Für Tromsø ist es schon eine Herausforderungen, wenn es um den Schwebstaub geht.

Die Luftqualitätsrichtlinie sagt, wie hoch die Konzentration von Schwebstaub maximal in der Luft von 24 Stunden sein darf. Die Grenzwerte dürfen nicht mehr als 30mal im Laufe eines Jahres überschritten werden.


Die letzte formelle Meldung zeigte bisher 27 Tage an.

Über die 30 Tage-Grenze ging Tromsø im Jahr 2007. 2014 und 2015 hatte Tromsø Schwierigkeiten mit der Datenübermittlung und die Werte waren weit höher, als die Statistik sie auswies. Die Probleme sind nun gelöst und Tromsø hat jetzt exakte Zahlen der Messungen.

Rana, Narvik und Tromsø hatten am Donnerstag Vormittag die höchsten Werte. In diesen Städten ist die Luftqualität so schlecht, dass empfohlen wird, Kinder nicht hinaus zu lassen.

Die spezielle Wettersituation, die in Nordnorwegen herrschte, stellte die Städte vor große Herausforderungen, was die Luftverunreinigung und speziell den Schwebstaub betrifft.

In Tromsø sind die Reifen mit Spikes die Hauptursache. Unter 15% fahren ohne und ganze 85 % mit Spikes. Die Zahl ist stabil und es wurde bisher nicht geschafft, die Anzahl zu reduzieren.

Die Spikes reiben die Partikel von dem Straßenbelag und sie sammeln sich in Staubdepots neben der Straße, die dann vom Straßenverkehr in die Luft aufgewirbelt werden.

An Tagen mit kalten, trockenem und stabilen Wetter, das in Nordnorwegen die letzte Zeit herrschte, sind besonders gute Verhältnisse für die Verwirbelung von Sedimenten des Straßenstaubs.

Die Politiker suchen nach Maßnahmen, aber das ist nicht so einfach. In Trondheim hat man gute Erfahrungen mit der Einführung einer Spikesabgabe gemacht, aber das ist für Tromsø unakzeptabel, wegen der umfangreichen Vorschriften. Die Stadt hat vier Spezialfahrzeuge angeschafft, die mit Hochdruckreinigern die Straßen reinigen, bevor der Staub in die Luft geht.

Länger südlich in Nordnorwegen im Zentrum von Narvik ist die Belastung durch den Schwebstaub in der letzten Zeit besonders hoch. Das ist besorgniserregend. Besonders in der Rush hour waren an mehreren  Tagen hohe Werte des Schwebstaubs gemessen worden.

Die Umweltratgeberin, Sidse Linnæs, in Narvik ist besorgt, die 30 Tagegrenze mit hohen Grenzwerten bald zu überschreiten. Im Oktober waren das schon bis zu 19 Übertretungen. Nun hatte Narvik seit voriger Woche sieben Mal in 24 Stunden die Grenzwerte nicht eingehalten.. Damit ist Narvik bei total 26. Nachts waren die Fahrzeuge vom staatlichen Straßenamt unterwegs und reinigten die Straßen vom Staub. Die kommende Nacht sollen auch die kommunalen Straßen, die zur Europastraße 6 führen, die gleiche Behandlung erfahren. Man hofft, es wird dazu beitragen, die Verunreinigung im Zentrum zu reduzieren.

Falls die hohen Werte anhalten, wie die letzten Tage, sollen Schulen und Kindergärten in der Nähe der E 6 angehalten werden, Kinder mit Luftwegserkrankungen so wenig wie möglich nach draußen zu schicken.

Tromsø und Narvik sind nicht alleine. In der Schwerindustriestadt Mo i Rana hat man die gleichen Herausforderungen. Der Umweltratgeber, Allan Berg, muss fünf Überschreitungen seit der letzten Woche vermelden, das waren 23 Übertretungen der Grenzwerte bisher in diesem Jahr.

Klares und kaltes Wetter kombiniert ohne Regen schaffen Probleme, die durch das Kehren der Straßen versucht wird zu lösen. Auch andere Maßnahmen werden erwägt, zum Beispiel durch Reduzierung der Geschwindigkeit, oder welche Art von Streussand weiterhin verwendet werden soll. In der Zeit, wo viel Sand gestreut wird, sind die Filter der Messstationen voll davon. Es soll Streusand mit gröberen Korn ausprobiert werden. Eine Spikesabgabe ist bisher kein Thema bei den Pokitikern in Rana.

In Norwegen wird im Winter die höchste Verunreinigung der Luft festgestellt und daran Schuld sind mehrere Faktoren. Nicht nur die Spikesreifen und die Holzfeuerung, sondern auch die Abgase von den kalten Motoren bei Kältegraden. Zusätzlich kommt die Inversionswetterlage, die durch eine Umkehr (lateinisch: inversio) des vertikalen Temperaturgradienten geprägt ist: Die oberen Luftschichten sind hierbei wärmer als die unteren. Sie lassen nur einen schlechten Austausch der Luft zu.

Die Herausforderungen, die im Norden in der letzten Zeit aufgezeigt wurden, hatte man früher im Jahr auch in Südnorwegen mit kalten und niederschlagsarmen Wetter. Gerade die reduzierte Verwendung von Spikesreifen, das Herabsetzen der Geschwindigkeit und das systematische Reinigen der Straßen in der Saison von Oktober bis April, sind Maßnahmen, die in Oslo und Bergen gute Effekte erzielten.

Daraus kann man Lehren ziehen. Gleichzeitig muss man sowohl bei Rana und Narvik die Industrie mit einkalkulieren und das ist eine ganz anders Kapitel und deren Diskussion um die Luftverschmutzung.

Generell gibt es einen Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung und Luftwegs- und Herzgefäßerkrankungen sowie Krebs. Damit hat sich das norwegische Umweltamt auf seiner Webseite auseinander gesetzt.

http://www.miljostatus.no/tema/luftforurensning/lokal-luftforurensning/

Die Forschung erbrachte, selbst geringe Konzentrationen von Partikelverschmutzungen haben größere schädliche Effekte auf die Gesundheit, als man bisher annahm.. Besonders Ältere, Schwangere, Kinder und Personen mit Luftwegserkrankungen und Herzgefäßerkrankte sind davon betroffen. Selbst wenn norwegische Stådte weniger Probleme haben, als andere Stådte auf der Welt, liegt das Niveau weit höher, als von der FHI empfohlen.

Asthma- und Luftwegserkrankungen sind auf dem Weg zur neuen Volkskrankheit. 25 % sind heutzutage davon betroffen und die Zahl steigt.

„Die norwegischen Politiker müssen handeln, um diese Probleme endlich zu lösen.“, fordert der Asthma- und  Allergieverband  in Nordland.

Quelle: NRK

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