Veröffentlicht in Finnmark, Ge(er)lesenes aus Norwegen, Vest-Agder

„Norge på langs“

„Norge på langs“ ist die Königsdisziplin unter Norwegens Wanderungen. Zu Fuß vom südlichsten Punkt am Kap Lindesnes bis zum Nordkap – nur wenige haben das bisher geschafft. Jung und alt stellen immer wieder neue Rekorde auf. Es sind keine durchtrainierte Outdoorprofis und oft unsicher im Umgang mit Karte und Kompass. Sie möchten sich diesen Traum erfüllen. Sie ziehen durch die Weiten des Fjells, genießen die Magie der skandinavischen Natur,  beobachten Polarlichter. Und trotz vielen Widrigkeiten,  kaputten Schuhen, verlorenem Zelt und ungeplanten Umwegen gehen sie beharrlich ihrem Ziel entgegen. Atemberaubendes Abenteuer, die  einem alles abverlangen und zugleich alles bieten, wonach sich ein Wanderer sehnt.

Es ist eigentlich nur ein etwas längerer Fußmarsch

1966 war Bjørn Amsrud der erste, der der Länge nach in Norwegen von Lindesnes bis zum Nordkap zu Fuß unterwegs war. Seitdem sind über 300 den Fußspuren des Pioniers gefolgt. Nun ist er wieder zurück, um das 50. Jahresjubiläum zu feiern.
Mit einem Stück „Fyrstekake“ in einer leeren und abgewetzten Brotdose, markiert der 83 Jahre alte Bjørn Amsrud von Oslo ein spezielles Jubiläum. Vor 50 Jahren stand er auf demselben Platz, mit der gleichen Aussicht, aber mit einer ganz anderen Umgebung. Es gab weniger Gebäude, keine Menschen waren zu sehen.

Am 7. Juni 1966 stand der 33 Jahre alte Björn Amsrud mit Rucksack, Zelt und einer Ration Essen für eine  Woche startklar für einen, wie er ihn damals nannte , „etwas längeren Fußmarsch als üblich“.
Er hatte sich vorgenommen zu Fuß bis hoch zum Nordkap zu laufen und eigentlich niemanden Bescheid gesagt, was er vor hatte, weil er nicht wusste, ob es klappt.
Die Idee dazu kam ihm, nachdem er ein halbes Jahr in Gaza bei den Streitkräften der Vereinigte Nationen diente und als Zahnarzt in Svalbard gearbeitet hatte. Schon immer mochte er die Wanderungen ins Gebirge und nach und nach wurden die Touren immer länger. Nach dem ersten Winter auf Svalbard begann der Plan zu reifen, wenn er wieder aufs Festland kam, wollte er eine ordentliche Wanderung unternehmen.

„Ja, so wurde es dann  Norwegen der Länge nach!“, grinste Björn.

Unterwegs entschied Bjørn,  sein Zelt nach Hause zu schicken, weil das Schleppen für die fast 2.700 km zu schwer wurde.Weiter zum Nordkap schlief er in Hütten, unter Steinplatten und wenn es ging, unter freiem Himmel.

„Ich erinnere mich, es war ein schlechter Sommer. Die letzten drei Wochen nur Schneeregen und Schnee, fast überall winterliche Verhältnisse!“, erzählte Björn.

Nachdem Björn vor 50 Jahren Norwegen der Länge nach als erster entlang ging, folgten ihm über 300 in seinen Fußspuren.
Ca. 320 Touren wurden in der Zeit von 1951 bis 2015 durchgeführt. Die meisten starten am Leuchtturm von Lindesnes und gingen zum Nordkap oder zum nördlichsten Festland, Kinnarodden.
Auf einer offiziellen Liste „Norge på langs“  sind nach diesem Sommer 341 Personen registriert, die die gleiche Tour wieder vollführt haben. Es sind nur die auf der Liste, die mit eigener Kraft unterwegs waren. Radfahrer sind nicht registriert. Als erster steht Björn Amsrud, dann sind auf der Übersicht der Älteste, Jüngste, Schnellste und die mehrmals, sowohl im Sommer oder Winter, auf der Strecke unterwegs waren.  Die Fittesten benötigten für die Tour 60 bis 70 Tage, aber Viele brauchten mehr Zeit, bis zu fünf Monate.

Man weiß nie, wer am Plateau ankommt und wie lange die Reise war. Einige kommen zu Fuß,  Skiern,  Fahrrad oder schlagen Golfbälle  die ganze Distanz. Einige benutzen alle möglichen Fahrzeuge. Jeder hat dabei seine eigene Geschichte oder Meinung.

Nun wieder zurück in das Jahr 1966. Es ist September geworden und Björn Amsrud nähert sich dem Nordkap. Er ist beinahe zwei Millionen Schritte über das Gebirge, durch Täler und über Moore gelaufen, Schneeregen und Schnee begleiteten ihn die letzten drei Wochen und nun ist er angekommen. Diesen Tag hat er immer wieder vor sich gesehen und wollte ihn markieren. Seine Schwester hatte ihm nach Honningsvåg ein kleines Paket geschickt, darin war der „Fyrstekake“,  ein Flachmann mit Cognac und eine kleine Zigarre. All das wollte er in aller Ruhe und Einsamkeit auf dem Plateau genießen.

Das Nordkap – Flickr Hanne Villumsen

 

Das Nordkap (Nordkapplatået) ist ein steil aus dem Eismeer emporragendes Schieferplateau (Kap) auf der norwegischen Insel Magerøya und befindet sich auf dem Gebiet der nach ihm benannten Kommune Nordkapp. Es liegt auf 71° 10′ 21″ nördlicher Breite, rund 2100 Kilometer vom Nordpol entfernt und 514 Kilometer nördlich des Polarkreises.
Das Nordkap ist nicht der nördlichste Punkt Europas, es ist jedoch ein bedeutendes touristisches Reiseziel. Im Sommer gibt es für etwa zweieinhalb Monate die Mitternachtssonne, im Winter dagegen gelangt die Sonne etwa zweieinhalb Monate lang auch tagsüber nicht über den Horizont.
An einem  grauen,  kalten Septembertag schlurfte Björn zum Nordkapplateau. Ganz leer war der Platz.  Dann tauchten zwei Menschen auf. Es war das Ehepaar, dass das Kaffee dort  bis zur Schließung im Winter betrieb.
Er beschloss jetzt seine Ankunft  im Restaurant ein wenig zu feiern, es sollte Champagner sein. Dann tranken wir „Kongepjolter“, das war Cognac und Champagner! Den „Fyrstekake“ gab es dazu.
Ganze 50 Jahre sind seitdem vergangen. Björn ist zurück. Er ist ein wenig krumm geworden und stützt sich auf einen Stock. Nicht so schnell wie damals,  steigt der 83 jährige aufs Neue zum Ziel.
Es sind nur ein paar Meter bevor er zum zweiten Mal in seinem Leben wieder  an der Spitze von Norwegen ist.
Nun ist er wieder hier!
Dieses Mal ging es nordwärts über die See mit der Hurtigrute. Es war sehr gemütlich auf diese Weise hier her zu kommen. Alles hat sich verändert und er selbstverständlich auch.
Björn macht sich seine Gedanken, wo er jetzt wieder zurück ist.
Ein Teil Erinnerungen strömen auf ihn ein, während er hier sitzt und auf eine knallblaue Barentssee schaut. Damals sah Björn nicht eine einzige Landspitze. Das Jubiläum wird wie vor 50 Jahren mit Champagner und „Fyrstekake“ gefeiert.
„Der Kuchen ist lange haltbar, deshalb kann man ihn eine längere Zeit transportieren. Das ist gut!“, sagt Björn.
Wenn der 83 Jährige über die sonnengeflutete Magerøya schaut, kribbelt es noch einmal in den Beinen für einen “ etwas längeren Fußmarsch, als üblich“?
Quelle: NRK, Wikipedia

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