Veröffentlicht in Ge(er)lesenes aus Norwegen

Nordlichter nicht gucken, sondern lauschen.

Sie wirken wie von Zauberhand an den dunklen Himmel gepinselt – und sind doch nur Naturphänomene: Nordlichter, wissenschaftlich Aurora borealis genannt. Als Zeichen der Götter und Geister deuteten früher die Menschen auf der Nordhalbkugel die so unheimlichen, riesigen Leuchterscheinungen.

Wissenschaftler erklären die bunten Wischer am Firmament dagegen so: Geladene Teilchen, darunter der sogenannte Sonnenwind, treffen auf die Erdatmosphäre auf und bringen Luftmoleküle zum Fluoreszieren – der Himmel leuchtet. Generell gilt: Je näher am Nordpol, desto spektakulärer ist die Show. Die vorherrschenden Wetter- und Lichtverhältnisse spielen dabei eine bedeutende Rolle.

In einer kalten Winternacht weit weg von störrenden Lichtern von Wegen und Orten kann man am Himmel das Nordlicht in Grün, Rot und Blaulila beobachten.
Kameras, Stative und die Belichtung dazu sollte man jetzt vergessen. Nun sind es die Geräusche vom Nordlicht, die zählen.
Eine Gruppe von Menschen richten Antennen dem Nordlicht entgegen. Sie haben kleine Radioempfänger bei sich und daraus sind merkwürdige Geräusche zu vernehmen.
Es hört sich an wie Regen auf einem Blechdach, ab und zu auch Vogelgezwitscher,  einige Male pfeift es dann. Die Geräusche kommen vom Nordlicht.

Auf die sehr niedrigen Frequenzen  kommt es an. Einige benutzen speziell in den USA handgefertigte  Spezialradios, sie nehmen die niedrigfrequentierten Radiowellen auf, die das Nordlicht  aussendet. Einfach erklärt,  von den Radiowellen  werden die Partikel  der Sonnenwinde, die auf das Magnetfeld der Erde treffen, aufgenommen. Die Radiowellen sind zu niedrig frequentiert, um sie selbst zu hören. Aber mit Hilfe von bestimmten Technologien hört man Geräusche. Hier in Norwegen praktizieren das nicht viele. Im Internet kann man einige Bilder von Menschen sehen,  die mit diesen kleinen Radios alles vom Nordlicht bis zum Blitzschlag draußen hören. Aber es ist nicht notwendig, ein Spezialradios zu benutzen, um das Licht vom Himmel zu hören.

Lange war es ein umstrittenes Phänomen, dass Nordlichter Geräusche verursachen. Berichte von Einzelpersonen und die Erwähnung in Volksmärchen wurden als wenig glaubwürdig eingestuft. Wissenschaftler hielten es für unmöglich, dass für Menschen wahrnehmbare Schallwellen aus dieser Höhe und Entfernung entstehen könnten. Menschen in Nordnorwegen sind schon  mehrere Jahrhunderte bei  kalten Nächten hinaus gegangen und benutzen nur ihre Ohren. Man benötigt keine Radiogeräte. Man steht unter dem Himmel und muss nur lauschen, mit den bloßen Ohren.
Es gibt von den Nordkalotten jede Menge Berichte von Menschen, die das Nordlicht mit „bloßen  Ohren“ gehört haben. Forscher haben dieses Phänomen, ohne mit Hilfe von Technologien das Nordlicht zu hören, nur mit den Ohren, als Mythos oder Einbildung angesehen.

(Flickr Børge Wahl)

Prof. Pia Løvhaug forscht das Nordlicht am Institut für Physik und Technologie am UiT.
Sie hofft, skeptische  Forscher davon überzeugen zu können, dass die vom Nordlicht produzierten Laute, mit Hilfe der Ohren gehört werden können. Außerdem will sie denjenigen helfen, die als Spinner abgetan werden, die diese Phänomene gehört haben. Aber das zu beweisen, kann eine Herausforderung werden.
Berichte von Geräuschen des Nordlichts kommen oft von Orten der Finnmarksvidda, da wo es trocken und kalt ist. Einige erzählen, dass sie an kalten Winternächten im Schnee liegen und dem Licht lauschen.
Forscher behaupten, das Nordlicht kann keine Schallwellen zur Erde senden, dafür ist die Atmosphäre zu dünn, wo das Nordlicht entsteht. Die Geräusche können  von eingefrorenen Bäumen in Frostnächten kommen oder man hört dabei  in der Stille die Feuchtigkeit  von seinem eigenen Atem, der einfriert, wenn er wieder ausgeatmet wird. Somit glauben die Menschen das Nordlicht zu hören.
Prof. Løvhaug ist der Meinung, da  ist mehr als Frost und Feuchtigkeit.
Selbst wenn die Schallwellen, die vom Nordlicht produziert werden,  nicht mit unseren Ohren gehört werden können, so weiß  man, was das Nordlicht hier auf der Erde bewirken kann.
Laut Jøran Moen, Professor in Raumphysik an der Universität in Oslo, kann das Nordlicht zu großen Problemen führen. .  Wenn wir das Nordlicht sehen, dann ist es Energie in Form von Licht, es flammt und sieht fantastisch aus.  Aber zusätzlich sendet das Nordlicht elektromagnetische Wellen. Diese Energie kann Komplikationen  bei Stromkabel  oder Transformatoren auslösen. Auch auf einen Kompass kann sich das auswirken,  weil das Magnetfeld der Erde gestört wird.

„Irgendwie sind es diese elektromagnetischen Wellen, die wir hören können!“, meint Prof. Løvhaug. Die Frage ist nur, wie funktioniert es?

Selbst können wir keine elektromagnetische Wellen hören, aber sie können Dinge in Bewegung setzen. Und diese wiederum machen Geräusche.

Professor Pia Lövhaug hat eine Theorie.
Mit der Stereoanlage geschieht etwas ähnliches,  elektrische Signale werden zu Geräuschwellen über einen Lautsprecher  umgeformt. Wir wissen nicht,  was hier auf der Erde der „Lautsprecher “ der Nordlichter ist.
Die Geräusche, die diese Menschen gehört haben,  können von Grashalmen, Kiefernadeln, dünnen Ästen oder Drahtseilen, vielleicht Brillengestellen, die wegen dem Nordlicht vibrieren, kommen.

Løvhaug will weiter die Ursache zwischen den elektromagnetischen Wellen vom Nordlicht, dass diese  Geräusche produzieren, erforschen.  Die Prozesse,  die diese Wellen generieren,  ist Hardcorephysik. Wenn wir das und die Erlebnisse der Menschen zusammenknüpfen,  erhalten wir vielleicht die Erklärung über die Geräusche. Vorläufig bleibt das noch ein kleines Mysterium.

Hier sind Geräusche vom Nordlicht zu hören https://archive.org/details/ird062

Quelle: NRK

Beitragsbild: Thorstein Myrhaug

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